Ruth C. Cohn
Dr. h.c. Ruth C. Cohn (1912–2010)
Begründerin der Themenzentrierten Interaktion (TZI)
Psychotherapeutin, Pädagogin, Humanistin und Poetin.
Foto: Walter Schels www.walterschels.com
TZI und Ruth C. Cohn
Ruth C. Cohn entwickelte in den 1950er/60er Jahren die Themenzentrierte Interaktion (TZI) – einen humanistischen Ansatz für wirksames Lernen, Leiten und Zusammenarbeiten.
TZI verbindet Psychoanalyse, Humanistische Psychologie, Gruppendynamik und Gestaltimpulse zu einer klaren Praxis mit Haltung.
1971 wurde Cohn in New York als „Psychologist of the Year“ ausgezeichnet
Ihr Leben
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1932
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1942
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1944
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1972
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1951
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1973
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1973
60er
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1966
Nachlass & Forschung
Seit 2022 ist der Nachlass von Ruth C. Cohn wissenschaftlich erschlossen und im Archiv der Humboldt-Universität zu Berlin zugänglich. Die Öffnung wurde in einem internationalen Symposium gewürdigt („Findbuch“).
Erinnerungsorte
Am Montag, den 27. August 2012, wurde in der Mommsenstrasse 55 in Berlin-Charlottenburg eine Berliner Gedenktafel für Ruth C. Cohn enthüllt. Sie lebte bis 1933 in diesem Haus und wäre am Tag der Gedenktafelenthüllung 100 Jahre alt geworden.
Die Laudatio von Hansfried Nickel anläßlich der Gedenktafelenthüllung gibt Einblick in das Leben von Ruth C. Cohn.
Ruth C. Cohn verstarb am 30. Januar 2010. Sie wurde auf dem Waldfriedhof Langenfeld (Rheinland), Kapeller Weg beigesetzt.
Wegbeschreibung zur Grabstätte
Vom Parkplatz aus bitte den Eingang nehmen und dem asphaltierten Hauptweg geradeaus folgen; in den zweiten Nebenweg (vor den Urnenwänden) rechts hineingehen; nach circa 30 Metern auf der rechten Seite befindet sich die Grabstätte von Ruth C. Cohn.
Preise & Auszeichnungen
1971 Psychologist of the Year (New York Society for Clinical Psychology)
1979 Dr. phil. h. c., Universität Hamburg
1992 Großes Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland
1994 Dr. phil. h. c., Universität Bern
Zitate von Ruth C. Cohn
„Die Frage von Werten und Zielen muss immer der Frage nach der Methode vorausgehen. Die Frage der Effizienz kann nur beantwortet werden, wenn ich voraussetze, für was ich effizient sein will. Die ‚Effizienz der Gaskammern' bleibt ja unbestritten. Ich halte die Frage nach der Effizienz des Profitmachens nur dann für sinnvoll, wenn wir uns klar machen, welche Werte wir mit Profit verbinden." (Anteilnehmen, S. 119)
Ruth C. Cohn
"Es geht ganz klar um eine Umwertung der Werte. Wenn ich als höchstes Ziel setze, dass meine Organisation nur den größten Profit macht, dann sind menschliche Werte Humanitätsduselei." (Es geht ums Anteilnehmen, S. 119)
Ruth C. Cohn
Humanismus ist: „Zu wissen, daß ich zähle, zu wissen, daß du zählst. Zu wissen, daß jeder Mensch zählt, ob schwarz, weiß, rot, gelb oder braun. Die Erde zählt. Das Universum zählt. Mein Leid zählt. Dein Leid zählt." (Von der PsA zur TZI, S. 109)
Ruth C. Cohn
"Ich kümmere mich um meine Angelegenheit, ich bin ich; Du kümmerst Dich um Deine, Du bist Du. Die Welt ist unsere Aufgabe; sie entspricht nicht unseren Erwartungen. Doch wenn wir uns um sie kümmern, wird sie sehr schön sein, wenn nicht, wird sie nicht sein."(Von der PsA zur TZI, S. 101 Anm.)
Ruth C. Cohn
„Gesetze, die das Recht schänden, müssen gebrochen werden." (Farau / Cohn, S. 465)
Ruth C. Cohn
„Eine Gruppe wird nicht dadurch gestärkt, daß Personen ihre Individualität aufgeben, sondern dadurch, daß diese sich in der jeweiligen Gemeinschaft aktualisieren. Jeder Mensch verwirklicht sich in der Beziehung zu den anderen und in der Zuwendung zur Aufgabe." (Cohn/Matzdorf, S. 71)
Ruth C. Cohn
„Zu wenig geben ist Diebstahl, zu viel geben ist Mord!" (Es geht ums Anteilnehmen, S. 142)
Ruth C. Cohn
„Ich glaube, dass Selbsteinschätzung, Selbstgefühl, ein Gefühl für einen selbst und ein Gefühl für andere zu haben, gelernt werden muss wie jeder Beruf." (Es geht ums Anteilnehmen, S. 151)
Ruth C. Cohn
"Ein Gewissen, das nicht ganzheitlich gestützt wird, ist nicht tragfähig. Sinnlichkeit und Sinn sind nicht nur sprachlich, sondern auch erlebnismäßig nahe verwandt. Sie sind körperlich verwurzelt und sind mehr als körperlich. ... Ich glaube, daß in gleicher Weise auch unser ethischer Sinn organismisch verwurzelt ist. (Farau / Cohn, S. 470)
Ruth C. Cohn
"TZI stellt einen zeitgenössischen Ansatz dar, die unpersönliche Welt der Massenerziehung und Massenkommunikation zu personalisieren. Sie strebt danach, dem einzelnen zu helfen, seine sinnliche Wahrnehmung, sein Fühlen und Denken zur Entfaltung zu bringen, und auch in Arbeitsbeziehungen Menschen nicht zu verdinglichen. Auch sachliche Aufgaben können und sollten nicht als menschlich sinnlos erlebt werden müssen."" (Anteilnehmen S. 20)
Ruth C. Cohn
„Ich möchte Menschen, die all dieses Leid nicht wollen, ermutigen, nicht zu resignieren und sich ohnmächtig zu fühlen, sondern ihre Vorstellungskräfte und Handlungsvermögen einzusetzen, um sich solidarisch zu erklären und zu verhalten, solange wir selbst noch autonome Kräfte in uns spüren. - Das ist das Eigentliche, was ich mit TZI möchte."
Ruth C. Cohn
"Du kannst keine Schulstunde halten, ohne ein bißchen gegen die Institution zu verstoßen." (mündlich)
Ruth C. Cohn
„Themenzentrierte Interaktionsgruppen für Lehrer - das ist eine Art zu lehren, wie man unterrichten kann, so dass man die Kinder als ganze Personen sieht, und nicht nur als Notenfabrikanten. Und die Lehrerinnen und Lehrer können sich auch als Menschen fühlen, die mit vielen Kindern zusammen sind und noch mehr wollen als nur einen Stoff lehren." (Anteilnehmen S. 72)
Ruth C. Cohn